Interview von Jürgen Linhardt mit Alexander Wolfrum (2009)

Heute sind wir zu Gast bei einem der bekanntesten Künstler aus Bayreuth - bei Alexander “Sandy” Wolfrum, dem 51-jährigen Liedermacher, der weit über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus bekannt ist. Er hat sich in einem Nebengebäude seines Wohnhauses ein modernes Aufnahmestudio eingerichtet.

Der Bierstädter: Sandy, seit wann machst du schon Musik?

Sandy Wolfrum: Seit meinem 16. Lebensjahr.

D.B.: Und wie kamst du zur Musik?

S.W.: Durch die Beatles und die Kinks - meine ersten Lieblingsgruppen.

D.B.: Seit wann komponierst du?

S.W.: Seit ungefähr meinem 20. Lebensjahr.

D.B.: Wann war dein erster Auftritt?

S.W.: Das war 1980 mit Andy Hausmann im Jockl zum Semesteranfang - das erste Mal, wo wir auch Geld für unsere Musik bekamen.

D.B.: Wann wurde deine erste Platte veröffentlicht?

S.W.: 1982 mit meiner damaligen Gruppe “Feelsaitig”.

D.B.: Und wie viele Tonträger sind es bis heute?

S.W.: Mit Feelsaitig 14, solo 8 - dieses Jahr die neueste “Sie nennen mich Sandy”.

D.B.: Ist die Musik dein Hauptberuf?

S.W.: Ja, mittlerweile kann ich davon leben. Ich fungiere auch als Musikproduzent, Tontechniker usw. Man kann mein Aufnahmestudio zusammen mit mir mieten. Vom ersten Ton bis zur fertigen CD mache ich alles selbst.

D.B.: Und wie oft bist du unterwegs in Sachen eigener Musik?

S.W.: Ich gebe so 30 bis 40 Konzerte im Jahr.

D.B.: Und wie weit führt dich dein Tourneeplan?

S.W.: Ich trete in ganz Deutschland auf, ab und zu auch in Österreich.

D.B.: Wo bist du als nächstes?

S.W.: Am 20. November im “Backsta” in Bayreuth.

D.B.: Wie kommen deine Konzerttermine zustande?

S.W.: Meistens kommen die Veranstalter auf mich zu. Wenn ich unbedingt mal irgendwo spielen will, dann kümmere ich mich selbst drum.

D.B.: Wie sieht’s aus mit Manager?

S.W.: Brauch’ ich nicht - die kosten nur Geld.

D.B.: Was war dein peinlichstes Erlebnis bei einem Auftritt?

S.W.: (Lächelt etwas verlegen) Bei einem Auftritt in Nürnberg spielte ich bis zur Pause mit offener Hose - der Reißverschluss war kaputt! Dann machte mich einer von meiner Band darauf aufmerksam. Kurzerhand hab ich dann mein Hemd aus der Hose gezogen. Das verdeckte dann meine “Schmach”.

D.B.: Welcher Auftritt hat dich am meisten beeindruckt bzw. gab es ein Erlebnis, woran du immer wieder zurückdenkst?

S.W.: Oh ja, 1990 im ausverkauften Moskauer Kulturpalast. Neben den Scorpions, Lindenberg und Uriah Heep durften auch wir in den geheiligten Hallen auftreten. Als wir unseren “Bayreuth-Song” zum Besten gaben, tobten die Russen, obwohl sie wahrscheinlich kein einziges Wort verstanden! So etwas hatten wir noch nicht erlebt!

D.B.: Warum gerade ihr zusammen mit den bekannteren Gruppen?

S.W.: Schuld war ein Auftritt in Pegnitz, bei dem auch russische Musiker spielten. Am Abend saßen wir mit dem Kulturattaché zusammen. Nach einigen Bierchen fragte er uns, ob wir nicht Lust hätten, in Moskau aufzutreten. Natürlich sagten wir zu, dachten aber, der Typ will uns nur verarschen. Aber dann kam doch tatsächlich die Einladung im Rahmen des Ost-West-Kulturabkommens! Wir waren offizielle Staatsgäste der sowjetischen Regierung: Empfang mit schwarzer Limousine usw. Das war schon sehr beeindruckend!

D.B.: Mit wem würdest du mal gerne auftreten?

S.W.: Mit Ray Davies von den Kinks.

D.B.: Wer sind deine Lieblingsinterpreten?

S.W.: An erster Stelle stehen natürlich die Beatles: Beatles senn die Gressdn! Danach kommen gleich die Kinks bzw. Ray Davies, denn er war ja der Macher. Bei den deutschsprachigen allen voran Reinhard Mey, den ich persönlich ganz gut kenne - z.B. von den “Songs an einem Sommerabend”. Und auch Hannes Wader.

D.B.: Hast du ein absolutes Lieblingslied?

S.W.: Nicht direkt, am ehesten noch “Days” von den Kinks.

D.B.: Gibt es ein Lieblingsalbum?

S.W.: (wie aus der Pistole geschossen) “Abbey Road” von den Beatles.

D.B.: Hast du ein Vorbild?

S.W.: Reinhard Mey - und zwar in jeder Hinsicht: Als Musiker und als Mensch.

D.B.: Könntest du als Vorbild dienen?

S.W.: Ich hoffe doch - für meine Söhne. (18 und 16 Jahre / Anm. der Red.)

D.B.: Wie würdest du deinen Musikstil bezeichnen?

S.W.: Vielseitig, besser gesagt “Feelsaitig”: “Feel” im Sinne von “Feeling”, also “Gefühle”; “Saitig” steht allgemein für handgemachte Musik. Dabei achte ich schon darauf, dass meine Lieder nicht alle gleich klingen. Meine musikalische Bandbreite ist weit gespannt. Wichtig ist für mich vor allem, dass ich alles selber mache: Melodie, Text, Arrangement, Instrumente spielen - kurz alles, was dazugehört, um ein Lied zur Welt zu bringen. Da hängt sehr viel Herzblut an jedem einzelnen Lied.

D.B.: Wer hört deine Musik?

S.W.: Vom Alter her, denke ich, gibt es keine Beschränkung - halt Leute, die sich Gedanken machen und keine passiven Konsumenten sind.

D.B.: Hast du ein Lebensmotto?

S.W.: (lacht lauthals) Leben und zahlen lassen!

D.B.: Hast du ein Lieblingszitat bzw. eine -weisheit?

S.W.: “Ich weiß, dass ich nichts weiß.” Ich glaube von Sokrates oder Platon.

D.B.: Lebst du gern in Bayreuth?

S.W.: Klar, wo sonst? Ich bin bekennender Bayreuther bzw. Franke. Ich könnte mir höchstens noch vorstellen, in Coburg zu leben. Meine Studienzeit dort war sehr schön.

D.B.: Was isst du am liebsten?

S.W.: Nudeln. Ich bin übrigens schon seit 16 Jahren Vegetarier.

D.B.: Dein Lieblingsgetränk?

S.W.: Fränkisches Bier und schwarzer Tee.

D.B.: Kochst du manchmal?

S.W.: Ja, sogar regelmäßig - nach Familiendienstplan. Meine Frau ist nämlich auch berufstätig.

D.B.: Magst du Tiere?

S.W.: Ich liebe Tiere, die ganze Familie. Unser Zoo umfasst 4 Katzen, einen Hund,

mehrere Goldfische und sogar Ratten.

D.B.: Hast du ein Hobby?

S.W.: Ja, alte Autos - z.Zt. habe ich aber kein altes.

D.B.: Wie wichtig ist für dich dein Auto?

S.W.: Absolut wichtig als Fortbewegungsmittel, da ich ja oft mehrere Stunden Anfahrt zu meinen Konzerten habe. Da muss man schon bequem sitzen können - schließlich soll ich ja dann 2 Stunden Höchstleistung vollbringen. Da kann ich keine Rückenschmerzen gebrauchen!

D.B.: Was liest du gern?

S.W.: Biographien von Menschen, die mich interessieren. Zur Entspannung auch mal ne Illustrierte.

D.B.: Was schaust du dir im Fernsehen an?

S.W.: (grinst etwas verlegen) Da schäme ich mich fast: Einen guten Western oder die Serie “Ein Fall für Zwei”.

D.B.: Bist du religiös?

S.W.: Ja und nein. Ja, da ich an eine höhere Macht glaube. Nein, da ich mit der Kirche als Organisation nichts anfangen kann.

D.B.: Was sind deine Stärken?

S.W.: Toleranz und Akzeptanz gegenüber anderen Meinungen und anderen Menschen. Ich kann Dinge “einfach mal so stehen lassen”.

D.B.: Und Schwächen?

S.W.: Ungeduld - vor allem in der Musik, wenn mal was nicht auf Anhieb klappt.

D.B.: Was hältst du von Politik?

S.W.: Ich bin ein sehr politischer Mensch. Das merkt man ja auch an meinen Texten. Eine umfassende Antwort würde ein ganzes Buch füllen. Ich engagiere mich auch für ausgewählte Projekte wie z.B. das Kinderhaus in Bayreuth oder zusammen mit Reinhard Mey für die frei fließende Donau. Das kann man unter “Donaumusik” im Internet nachlesen.

D.B.: Rauchst du?

S.W.: Nur gelegentlich, z.B. mal am Lagerfeuer.

D.B.: In welcher Jahreszeit fühlst du dich am wohlsten?

S.W.: Im Frühling - äh, ist das ein Klischee?

D.B.: Bist du ein Optimist?

S.W.: Natürlich!

D.B.: Bist du glücklich?

S.W.: Ja.

D.B.: Wo machst du am liebsten Urlaub?

S.W.: Daheim; da bin ich dann aber nicht erreichbar.

D.B.: Wen würdest du gerne mal treffen?

S.W.: Ray Davies.

D.B.: Was kannst du nicht ausstehen?

S.W.: Das deutsche Schulsystem.

D.B.: Welche Journalistenfrage nervt dich am meisten?

S.W.: Komisch, die hast du noch gar nicht gestellt! Ich werde oft gefragt, warum ich keine kommerzielle Musik wie Schlager oder “volksdümmliche” Musik mache - wo ich doch schon mal deutsch singe. Das wäre ja kein weiter Weg.....(Kopfschütteln!)

D.B.: Auf welche Frage wartest du bislang vergeblich?

S.W.: Ich glaube, die gibt es nicht mehr.

D.B.: Ein kurzer Ausblick in die Zukunft?

S.W.: Kommendes Jahr feiere ich mein 30-jähriges Bühnenjubiläum. Da lasse ich mir noch was Besonderes einfallen.

D.B.: Lieber Sandy, ich bedanke mich recht herzlich für die Ausdauer und die Gastfreundschaft in deinem Hause. Das Bier war gut! Wir wünschen dir und deiner Familie weiterhin alles Gute!